Posts Tagged: Weblog


30
Jul 08

WeblogTypen und Blogging-Stile

Ein kurzer Ausschnitt aus meiner Dissertation (in Vorbereitung), der sich mit der Typisierung von Weblogs (im Internet) beschäftigt.

Nach überwiegend positiver Rückmeldungen von verschiedenen Forschern (GR,JS,TB,TS) die sich ebenfalls mit Weblogs beschäftigen, stelle ich das Modellchen hier gerne hier Diskussion.

Ich war mit bestehenden Ansätzen nicht zufrieden. Diese Kritik ist hier nicht dargestellt.

Einordnungs- und Typisierungsprobleme begleiten vermutlich viele Innovationen. Was Weblogs angeht, so trägt deren
Verwendungsoffenheit in besonderem Maße dazu bei. So begleitet Weblogs die Frage, ob Weblogs ein eigenes Genre darstellen oder ob sie als eine Online-Form eines oder mehrere Offline-Genres verstanden werden sollen spätestens seit dem Zeitpunkt ihrer “Verbreitungsexplosion”. Auch die Debatte ob das Schreiben von Weblogs Journalismus sei, wurde und wird immer noch heftig geführt. Eindeutige und starre Zuschreibungen erscheinen vom heutigen Forschungsstand aus betrachtet wenig hilfreich. Die These, dass derartige Unversalwerkzeuge (Begriffs-)Grenzen auflösen ist angebracht. Ein eigener Ordnungsversuch sollte zumindest anschlussfähig sein an existierende und verbreitete Leitmetaphern sein. Das Framework soll eine Kategorisierung von Weblogs auf Grund der Beitragsinhalte ermöglichen, um über Intentionen/Motive der Autoren und Zwecke von Institutionen (vgl. Zerfaß 2005) möglichst wenig spekulieren zu müssen.

Ergebnis ist die folgende Darstellung, die man von links nach rechts (oder umgekehrt, in jedem Fall zeilenweise) lesen sollte, um die Merkmalsausprägungen der Mermalsdimensionen (adr. Öffentlichkeit, themat. Breite, Tiefe/Länge der Beiträge) zu durchlaufen.

Taxonomie von Weblogs / Blogging-Stilen

Durch die Kombination von Polaritäten der drei “Dimensionen” (Spalten 1 – 3) entstehen formal acht unterschiedliche Blogging-Stile, wobei diese Bezeichnung bewusst unscharf bleibt, was ihre Anwendung auf Weblogs oder deren Beiträge angeht. Bei einer Anwendung auf einzelne Beiträge ist zu beachten, dass die thematische Breite eines Beitrags nur für längere Text sinnvoll zu bestimmen ist. Erst bei einem tatsächlich homogenen Blogging-Stil über viele Beiträge hinweg, lässt sich ein gesamtes Weblogs treffend zuordnen. Es wurde bereits betont und empirisch gestützt, dass davon im Allgemeinen nicht auszugehen ist.

Vor allem an dem Merkmal der Größe der adressierten / erreichten Öffentlichkeit liegt es, dass es leicht zu einer Gleichsetzung von Weblog-Stil und Beitrags-Stil kommt. Die meisten Weblog-Plattformen bieten technisch “nur” eine Festlegung des Lesezugriffs auf Weblog-Ebene an und nicht für einzelne Beiträge bzw. lassen eine Einschränkung des Lesezugriffs überhaupt nicht zu. Eine Einschränkung die als Vereinfachung wirkt, aber auch dazu führt, dass Weblogs auf Grund ihrer technischen Gestaltung häufig vorschnell als öffentliche Kommunikation typisiert werden. Die tatsächliche Leserschaft ist meist um Größenordnungen kleiner. Auch wer anfänglich mit seinen Beiträgen “stilistisch” die gesamte (Online)Welt adressiert, wird dies recht schnell merken und seinen Stil entsprechend anpassen.

Thematisch Breite meint die Vielfalt der dargestellten Lebensbereiche einer Person. Die Beispiele “privat”, “beruflich” stellen hier eine erste, weitere Untergliederungsebene dar. Häufig sind Blogs zunächst einem wesentlich spezifischeren Fachthema gewidmet und enthalten sporadisch Hinweise auf fachfremde Aspekte des Autors. Dies weist auch in dieser Dimension auf eine gewissen Dynamik hin, die gerade die Authentizität von Weblogs positiv beeinflusst.

Thematische Tiefe bezieht sich darauf, wie stark ein Nutzer/Autor eigene Gedanken in einen Beitrag einfließen lässt. Beim Re-Publizieren von Referenzen (Links) beispielsweise kann ein Autor unterschiedlich ausführlich kommentieren und unterschiedlich lange Abschnitte als Zitate durch Kopieren übernehmen. Bei längeren Zitaten ist die Beitragslänge dann natürlich kein geeigneter Indikator mehr für die thematische Tiefe / Schöpfungstiefe / Originalität.

Den so formal entstandenen acht Blogging-Stilen lassen sich nun Phänomene und Benennungen zuordnen, wobei sich auch die angesprochenen Leitmetaphern wiederfinden lassen, wenn man die Kategorien auf Weblogs bezieht.

Micro-Blogging, also das Festhalten kurzer, persönlicher Statusmeldungen mit Werkzeugen wie twitter.com, ist eher themenunabhängig und der tatsächliche Leserkreis klein. Das Gedankenspiel, dass eine öffentlich Person “twittert” (bspw. der Papst oder die Bundeskanzlerin) wäre bei der gewählten Anordnung der Tabelle am anderen Ende der Spalte einzuordnen. Im Bereich ausführlicherer Berichte, die keiner thematischen Selektion unterliegen und zunächst auf eine überschaubare Leserschaft zielen lässt sich die Leitmetapher des Internet-Tagebuchs verorten. Weitere Bezeichnungen für dieses Phänomen sind Personal Journal oder life-writing, wobei ich letztere Bezeichnung im dargestellten Rahmen sehr treffend finde. Die Bezeichnung Journal sollte mittlerweile nicht mehr ohne weitere Detaillierungen wie verwendet werden, wenn die Tagebuch-Metapher gemeint ist. Mittlerweile werden Weblogs eben auch fokussierter, bspw. im Lern- und Bildungsbereich, eingesetzt und dann mitunter als Lern-Journale bezeichnet, so dass die Gleichsetzung Journal = Tagebuch schnell zu Missverständnissen führt. Der Anwendungsbereich auf den sie meine Dissertation bezieht findet sich in den nächsten beiden Typen bzw. Stilen und können den oben genannten Knowledge-Blogs zugeordnet werden. Die Filter-Weblogs haben ihren Ursprung in den kommentierten Linklisten, wobei die Kommentierungen natürlichen unterschiedlichen Umfang annehmen können. Aus Sicht des Wissensmanagements steckt der Wert in der Selektion und kommentierenden Bewertung der referenzierten Quellen, weshalb ich gerne auch die Bezeichnung Wissens-Spuren verwende. Die Bezeichnung Experten-Weblogs ließe sich für einen tendenziell ausführlicheren Stil verwenden, wobei auch die knappen Selektionen von Experten bereits einen Wert für das Wissensmanagement darstellen können. Es ist ohnehin davon auszugehen, dass ein bloggender Experte auch längere Darstellungen einfließen lässt. An dieser Kategorie wird ersichtlich, dass die Übergänge zum Fach-Journalismus fließend sind und im wesentlichen vom Öffentlichkeitsgrad abhängen. Ein hoher Öffentlichkeitsgrad, kombiniert mit kurzen Beiträgen könnte man als thematische Linksammlung charakterisieren. Allerdings ist fraglich, ob ohne ausführlichere Kommentare ein öffentliches Interesse erzielt und aufrecht erhalten werden kann. Dieses Anwendungsbeispiel rückt nahe an Social-Bookmarking heran, wobei dann eine starke Bindung an den “Autor” meist nicht mehr gegeben ist. Vielmehr wird über thematische Mechanismen wie Schlagworte durch Tagging die Möglichkeit genutzt, auch zu anderen Nutzern zu navigieren. Mit öffentlichen, themenoffenen und für Online-Publikationen vergleichsweise ausführlichen Beiträgen bewegt man sich in den bereich klassischer Massenmedien. Die Kurzform wurde oben bereits angesprochen bzw. findet in anderen Werkzeugen statt.

Quelle:
Ehms, K. (in Vorbereitung)
Persönliche Weblogs für Verteiltes Wissensmanagement.
Zwischen Werkzeugbegriff und Steuerungsphilosophie. Dissertation an der Uni Augsburg, Institut für Medien und Bildungstechnologie.


14
Jun 08

Information Overload – ein Dauerthema

Jochen Robes weist auf einen Blog von Philipp Lennsen hin, in dem man sich der alten Frage annimmt, wie man der Informationsüberflutung Herr werden kann.  Lennsen: I sent a couple of people the following question: “What are your top tips for dealing with information overflow?” Here are some of their answers – ja, und die Antworten kann man hier nachlesen. Robes selbst verrät seinen Favoriten, nämlich das Motto von Dave Winer: “I don’t know – I don’t have information overload. I keep wanting more. More! I want more!” – was das wohl aussagt? ;-)


11
Nov 07

Konzeption und Entwicklung eines Systems für die kollaborative Wissensarbeit in der Forschung basierend auf Social Software

Link zum Artikel

Die Gesellschaft wandelt sich von der Industrie- zur Wissensgesellschaft. Wissen ist zum wichtigsten Produktionsfaktor geworden. Dabei wächst die Erkenntnis, dass sich Wissen nicht unabhängig vom Träger benutzen lässt. Der Mensch als Wissensträger wird stärker in seiner sozialen Vernetzung wahrgenommen und Wissen als ein Ergebnis von Kommunikation und Erfahrung verstanden.

Für das Wissensmanagement in Unternehmen rückt dadurch der Wissensarbeiter und seine Tätigkeit in den Vordergrund. Er braucht Strukturen und eine Unternehmenskultur, die ihm hilft, Wissen zu kommunizieren und zu dokumentieren. Aus diesen Vorgängen heraus kann neues Wissen entstehen. Viele Wissensmanagementprozesse sind an zu komplexer Software gescheitert, die versucht, Wissen vom Arbeiter zu trennen. Neue Werkzeuge sind nötig, die sich auf den Wissensarbeiter statt auf sein Wissen konzentrieren und ihn bei seiner Arbeit unterstützen.

Gleichzeitig ist das Internet zu einer Plattform für neue Dienste geworden, die durch offeneStandards Inhalte und vor allem Menschen eng miteinander verknüpfen. Unter dem Schlagwort Web 2.0 ist ein Konzept aus Prinzipien und Geschäftsmodellen für die Webdienste entstanden, das auf Basis der Emergenztheorien auf die kollektive Intelligenz der Benutzer setzt. Mit Social Software bezeichnet man dabei Dienste, die Benutzer miteinander verbinden und ihnen helfen zu kommunizieren und zu kollaborieren.

Diese Dienste bieten eine mögliche Struktur für die Tätigkeit des Wissensarbeiters. So können Knowledge Blogs Wissensarbeiter miteinander verknüpfen, um Wissen innerhalb und außerhalb des Unternehmens zu kommunizieren. Wikis schaffen eine Plattform mit der Wissensarbeiter mit geringstem Aufwand kollaborative Wissensbasen aufbauen können, bei denen der Wissensarbeiter alle Freiheiten für den Inhalt und die Gestaltung behält. Weblogs und Wikis sind eine hilfreiche Kombination um kollaborative Wissensarbeit zu unterstützen und Wissenskommunikation sowie -dokumentation mit dem Fokus auf dem Wissensträger zu ermöglichen.


5
Nov 07

Discovering the iceberg of knowledge work: A weblog case

Link zum Artikel

The term knowledge work has been used for decades, but to date there is not much understanding what knowledge workers do and how this work can be improved. This paper contributes to the development of our theoretical understanding of knowledge work by exploring use of weblogs for professional purposes: as personal knowledge repositories, learning journals or networking instruments. We draw on the results of a weblog adoption study to explore knowledge worker activities and to propose a framework for analysing knowledge work.


5
Nov 07

Distributed KM – Improving knowledge workers´productivity and organisational knowledge sharing

Link zum Artikel

Improving the productivity of knowledge workers is one of the most important challenges for companies that face the transition from the industrial economy to an economy based on information and knowledge (Drucker, 1999). However, most “knowledge management” efforts have failed to address this problem and focused on information management instead. This paper briefly explores the failure of traditional knowledge management to adress the problem of knowledge worker productivity and argues that a deeper understanding of knowledge work is necessary to improve it. It then explores knowledge work and how it is supported with information technology tools today, focussing specially on the email client as a knowledge work tool. The paper introduces weblogs as personal publishing tools for knowledge workers and shows how personal publishing supports knowledge work processes, is personally beneficial to the knowledge worker and helps the dissemination of knowledge through an organisation.


2
Nov 07

Weblogs, Podcasts & Co. Ein praktischer Leitfaden für den Umgang mit neuen Kommunikationswegen im Netz

Link zum Artikel

Weblogs, Podcast und Co. sind nicht wirklich neu. Sie lösen aber Versprechen ein, die das Internet der ersten Generation gegeben hat – jeder kann kostengünstig seine Meinung per Text, Foto, Audio und Video weltweit verbreiten. Wenn er es geschickt macht, sogar mit der Chance, dass er von anderen durchaus wahrgenommen wird. Information und Kommunikation werden durch Weblogs und Podcasts nicht umgeschrieben, aber ergänzt werden müssen. Dadurch entstehen auch neue Geschäftsmodelle. Dieser Ratgeber beschreibt die Chancen und Risiken dieser Ansätze. Jeder, der möchte, kann nach der Lektüre des Anhangs seinen Blog bauen und mit eigenen Gedanken selbst unter die „Verleger” der Welt gehen …